Ausgabe Dezember 2012

Ein universeller Grenzgänger

Ja, es gibt sie noch, die wohltuend undogmatische, weder ins Opportunistische noch ins Gegenteilige gewendete, so kritisch wie selbstkritisch gebliebene, an Realität geschulte und von Utopie beflügelte Linke. Für sie steht der Name Ekkehart Krippendorff.

Der deutsche Professor, der lebenslang seinen Wurzeln im Halberstädtischen Nachkriegsdeutschland nachspürt, blieb für viele immer ein Außenseiter: Für die Politischen ist er der 68er, für die Rechten der Linke, für die Konservativen der Antiamerikanist. Nun ist Ekkehart Krippendorff in einer Autobiographie seinem Leben selbst nachgegangen. Er spricht es mit entwaffnender Offenheit aus: „Niemandem ist seine postmortale Existenz wirklich gleichgültig.“ Daher möchte er sich selbst und den Nachgeborenen die Zeit erklären, in der sich alles Glück und Unglück abgespielt hat, „nicht im Sinne prätendierter Wichtigtuerei, sondern im Sinne menschenrechtlich begründeter Würde“. Das ist ihm fulminant gelungen.

Krippendorff reflektiert sein Leben anhand von zehn unterschiedlichen, nebeneinanderliegenden, auch ineinander verschränkten Lebensfäden. Unter den Stichworten Krieg, Theater, Universitäten, Nationalismus, Amerika, Juden, Italien, DDR, Musik, Religion hat er seine Lebensfäden verwoben, sich aber nicht darin verstrickt.

Sie haben etwa 15% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 85% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema