Ausgabe Mai 2013

Der argentinische Papst

Zur Ambivalenz von Kirche und Macht in Lateinamerika

Als am 13. März über der Sixtinischen Kapelle weißer Rauch aufstieg und das Ergebnis des Konklaves bekannt wurde, war die Überraschung groß: Mit der Wahl des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio, dem ersten Südamerikaner, zum neuen Papst hatten die wenigsten gerechnet. Das unkonventionelle und volksnahe Auftreten von Papst Franziskus, der nach seiner Wahl – die für ihn bereitstehende Limousine ausschlagend – mit den Kardinälen gemeinsam im Bus zum Abendessen fuhr, verwunderte so manche Kommentatoren. In den folgenden Tagen und Wochen beschäftigten die Medien jedoch vor allem zwei Aspekte: Bergoglios Engagement für die Armen und seine Rolle während der argentinischen Militärdiktatur.

Der Fall der beiden Pater Jalics und Yorio

Als am 24. März 1976 die Streitkräfte gegen die amtierende Präsidentin Isabel Perón putschten, begann das dunkelste Kapitel der argentinischen Geschichte: eine Hexenjagd auf tatsächliche und vermeintliche Regimegegner. Die Streit- und Sicherheitskräfte gingen mit großer Brutalität vor. Über das Land verteilt gab es 340 geheime Haft- und Folterzentren. 30 000 Menschen sollen nach Angaben der Menschenrechtsbewegung während der Diktatur „verschwunden“ sein. Die tatsächliche Zahl dürfte zwar etwas niedriger liegen; doch immerhin rund 13 500 Fälle sind mittlerweile dokumentiert.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema