Ausgabe Juni 2013

China vor der Revolution?

Die Kommunistische Partei und die Korruption

Wenn wir die Korruption nicht in den Griff bekommen, „könnte dies den Zusammenbruch der Partei und den Untergang des Staates bewirken.“ Diese Warnung richtete der scheidende Generalsekretär der KPCh, Hu Jintao, auf dem 18. Parteitag im November 2012 an seine Parteigenossen. Im Januar 2013 propagierte der neu berufene Parteichef Xi Jinping öffentlich eine Null-Toleranz-Politik gegenüber korrupten Politikern. Er schwor, sowohl „Tiger“ als auch „Fliegen“ unnachgiebig zu verfolgen – also große Tiere und kleine Fische im Partei- und Staatsapparat gleichermaßen.

Beide Spitzenfunktionäre bemühten sich, den Zorn der Öffentlichkeit in Sachen Korruption zu beschwichtigen, der überall im Lande zu machtvollen Demonstrationen geführt hatte. Doch muss man sich fragen, wie ernst Xis Worte zur Korruptionsbekämpfung zu nehmen sind. Immerhin verfügt Xis weitläufige Familie, wie die „Bloomberg News“ im vergangenen Juni berichteten, über milliardenschwere Vermögenswerte – Bodenschätze und Immobilien –, darunter auch die Beteiligung an einer Firma für Seltene Erden, die allein schon 1,73 Mrd. US-Dollar wert ist. Soll man glauben, dass Xi jetzt anfangen will, Angehörige der eigenen Familie vor den Kadi zu bringen?

Das falsche Versprechen der Korruptionsbekämpfung

Es ist durchaus nicht das erste Mal, dass Chinas Führer versprechen, gegen die Korruption vorzugehen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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