Ausgabe Juli 2013

Iran: Der lila-grüne Sieg

Mit einem derart sensationellen Ausgang der iranischen Präsidentschaftswahl hatte im Vorfeld wohl fast niemand gerechnet.

Die erste Überraschung war bereits die hohe Wahlbeteiligung: Rund 72 Prozent der wahlberechtigten Iraner gaben am 14. Juni ihre Stimme ab – und das, obwohl in den Monaten zuvor viele befürchtet hatten, dass ihnen wieder die Stimme gestohlen wird wie schon 2009. Die zweite Überraschung war der klare Sieg des als moderat geltenden Konservativen Hassan Rohani; der 64jährige erhielt auf Anhieb 50,7 Prozent der Stimmen. In den Tagen vor der Wahl war es ihm gelungen, die Stimmung im Land zu seinen Gunsten zu wenden und sogar als neuer Hoffnungsträger der sogenannten Grünen Bewegung aufzutreten.

Insbesondere in den Fernsehdebatten vertrat Rohani ähnliche Positionen wie die Reformbewegung. Er kritisierte die Pressezensur, forderte bürgerliche Freiheiten und sprach sich für mehr geschlechtliche Gleichstellung aus. Ferner verlangte er die Freilassung politischer Gefangener und eine Rückkehr „zur Würde in unserer Nation“ – ein klarer Seitenhieb auf Noch-Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad.

Scharfe Kritik übte Rohani auch an der Atompolitik seines Vorgängers, die er als ideologisch verbrämt und zu radikal bezeichnete.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.