Ausgabe Oktober 2013

Das Beil überlebt seinen Herrn

Wenn am 13. Oktober in der Frankfurter Paulskirche der diesjährige „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels“ verliehen wird, ehrt man mit ihm eine wichtige Chronistin der Sowjetunion und ihrer Nachfolgestaaten, die dafür sogar ein eigenes Genre schuf. Wie keine Andere gibt Swetlana Alexijewitsch den Menschen ihrer Heimat eine Stimme, von den Verlorenen der Kriegsgeneration bis zu den neuen, reichen Russen.

1948 in der Ukraine geboren und in Weißrussland aufgewachsen, wurde Alexijewitsch durch ihre Dokumentarliteratur bekannt – zumal diese nicht nur gelesen werden kann, sondern auch auf der Bühne wirkt, seitdem sie durch ihr Weltkriegsepos „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ auch international berühmt wurde.

„Secondhand-Zeit“, Swetlana Alexijewitschs jüngstes Buch, ist die Quintessenz ihres Lebenswerks. Ein Kompendium vom Aufstieg und Fall des sowjetischen Imperiums in Geschichten von Tod und Liebe, Verrat und Rache, Lüge und Willkür. Im Kern ist es eine dichtgewobene Geschichte der Sowjetunion von unten, vielstimmig erzählt: von der durch Stalins Schergen veranlassten Hungersnot 1932/33, dem Großen Terror mit der ins Gigantische mutierenden Lagerwelt des Archipel Gulag bis zum bitteren Sieg im Zweiten Weltkrieg: „Die Sieger! Nur ihre Frauen wissen, was es hieß, mit einem Sieger zu leben.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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