Ausgabe Mai 2014

Der digitale Dämon

Ein Dämon geht um in unserer schönen neuen Welt. Er zeichnet sich aus durch besondere Kräfte: Er kann nicht nur sehen, was wir denken und tun; er kann auch erkennen, was wir denken und tun werden. Die Zukunft ist seine Passion und sein Metier. Aber er selbst ist alt, er begleitet den Menschen schon sehr lange. Doch nun sind ihm neue Fähigkeiten zugewachsen. Und das verändert alles – nicht zu unseren Gunsten.

Die Zukunft vorhersagen zu können, das erscheint den meisten modernen, rational denkenden Menschen vermutlich als ein hoffnungsloses Unterfangen – und jeder Versuch als eine Art parapsychologischer Scharlatanerie, über die bereits Voltaire pointiert und gnadenlos urteilte: „Der erste Prophet war der erste Schurke, der einem Dummkopf begegnete; also kommt alle Weissagung aus dem grauen Altertum.“

Josef und seine Brüder

Tatsächlich hatten Propheten, die sich unmittelbar vom göttlichen Geist inspiriert zeigten und als dessen Sprachrohr fungierten, in der Regel keinen guten Ruf. Anders dagegen die Seher oder Wahrsager: Schon in der assyrisch-babylonischen Welt des 3. Jahrtausends v. Chr. gab es Weissager, aber ihr Ansehen war weniger das von Schurken als das von Experten, die wichtige Informationen für die Zukunftsplanung boten. Und es waren vor allem die Herrscher, die sich ihrem Handwerk bzw. ihrer Gunst anvertrauten.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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