Ausgabe September 2014

BIP: Das vermessene Wachstum

Wir steigern das Bruttosozialprodukt“ – so hieß es einst in einem Nummer-eins-Hit der 80er Jahre. Derzeit schwächelt die deutsche Wirtschaft jedoch: Im zweiten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent. Doch die Rettung naht: Denn längst wird nicht mehr nur in die Hände gespuckt, um das volkswirtschaftliche Wachstum anzukurbeln. Stattdessen wird das Bruttoinlandsprodukt, das den Gesamtwert aller Güter angibt, die in einem Jahr innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt werden, künstlich aufgebläht.

Ab Anfang September berechnet Eurostat, das Statistische Amt der Europäischen Union, die volkswirtschaftliche Leistung der EU-Freihandelszone anhand neuer Kriterien. Künftig werden europaweit auch die geschätzten Erträge aus Prostitution, Waffen- und Drogenhandel sowie Tabakschmuggel direkt zum Bruttoinlandsprodukt hinzugerechnet – also Bereiche, die bislang zur Schattenwirtschaft zählten.[1] Darüber hinaus definiert Eurostat laufende Ausgaben zu Investitionen um; Forschung und Entwicklung gelten fortan als eigenständige Wertschöpfung. Bislang galten diese Ausgaben vor allem als Vorleistungen und fielen deshalb aus der Berechnung des BIP weitgehend heraus.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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