Ausgabe September 2014

Seit hundert Jahren umkämpft: Die Kriegsschuldfrage

Ob am 3. August auf dem Hartmannsweilerkopf im Elsass oder am darauffolgenden Tag, dem Tag des deutschen Überfalls und eigentlichen Kriegsbeginns, im belgischen Lüttich: Erstmalig kam es in diesem Jahr zu gesamteuropäischem Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs. Dabei ist dieser in den anderen europäischen Ländern seit jeher sehr viel stärker präsent als bei uns: in England als „The Great War“, als die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, ebenso bei den Belgiern. In Frankreich, das von den deutschen Armeen stärker als alle anderen kriegsführenden Länder verwüstet wurde, wird insbesondere am Tag des Waffenstillstands, dem 11. November 1918, der Gefallenen des „Grande Guerre“ gedacht. Dieses Gedenken in Trauer vereint in unserem Nachbarland alle politischen Kräfte von der Rechten bis zur Linken. Es ist Teil der nationalen Identität.

Anders in Deutschland: Ein vergleichbares, gemeinsames Gedenken an die Toten des Ersten Weltkrieges hat es in Deutschland – bis zu diesem Jahr – eigentlich nie gegeben. Vor dem Hintergrund von zwei Millionen toten deutschen Soldaten tobte in Deutschland stattdessen schon gleich nach dem Ersten Weltkrieg eine hasserfüllte Auseinandersetzung über zwei zentrale Fragen dieses Krieges, nämlich erstens über die Frage der Kriegsschuld und zweitens über die Ursachen der Niederlage bzw.

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