Am 20. September werden wieder einige Tausend Menschen beim „Marsch für das Leben“ mit weißen Holzkreuzen für ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen durch die Berliner Innenstadt ziehen. Wie bereits im Vorjahr steht auch der mittlerweile zwölfte Marsch unter dem Motto „Ja zum Leben, für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie“. Die Organisatoren – hierzulande der Bundesverband Lebensrecht e. V. mit seinem Vorsitzenden Martin Lohmann – halten jegliche Abtreibung für Mord: Da das Leben mit der Befruchtung beginne, sei jeder Fötus Inhaber allgemeiner Menschenrechte. Selbst vergewaltigten Frauen sprechen die selbst ernannten Lebensschützer das Recht auf Abtreibung ab; im Zweifel zählt ihnen das Leben des Fötus mehr als das der ungewollt schwanger gewordenen Frau. Diese Märsche finden weltweit statt, in Berlin steigen die Teilnehmerzahlen von Jahr zu Jahr. Gingen in den ersten Jahren nur einige hundert auf die Straße, waren es im vergangenen Jahr in Berlin schon mehr als 4000 Demonstranten. Feministische und antifaschistische Initiativen rufen daher erstmals zu einer Gegendemonstration und Blockaden auf statt wie in den Vorjahren zu Gegenkundgebungen und „kreativem Stören“.[1] Zwar wird die hiesige Demonstration der Abtreibungsgegner einige mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen, doch anders als in Spanien ist sie weit davon entfernt, eine Debatte um die Verschärfung des geltenden Abtreibungsrechts zu entfachen.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.