Ausgabe Mai 2015

Feindbild Ghetto

Wie der amerikanische »War on Crime« Rassismus produziert

Polizeigewalt gehört für viele schwarze Amerikaner zum Alltag – das zeigten in besonders dramatischer Weise die tödlichen Schüsse weißer Polizeibeamter auf schwarze Männer in Ferguson wie auch jüngst in North Charleston. Vor diesem Hintergrund wirft die US-Soziologin Alice Goffman ein Schlaglicht auf das Leben der ghettoisierten schwarzen Armutsbevölkerung: Die Politik der Null-Toleranz hat im Zusammenspiel mit dem Abbau sozialstaatlicher Regelungen dazu geführt, dass ein Großteil des alltäglichen Lebens vieler schwarzer US-Amerikaner kriminalisiert wird. In einer umfangreichen Reportage, die in der Tradition der teilnehmenden Beobachtung steht, berichtet Goffman von ihren Erfahrungen als langjährige Bewohnerin eines armen schwarzen Viertels in Philadelphia. »On the Run« heißt ihr soeben im Antje Kunstmann Verlag auf Deutsch erschienenes Buch, auf dem der folgende Text basiert. Die Übersetzung stammt von Noemi von Alemann, Gabriele Gockel und Thomas Wollermann. – D. Red.

Fast das gesamte 20. Jahrhundert hindurch blieb die Anzahl der in den USA inhaftierten Menschen konstant bei etwa einer von tausend Personen der Gesamtbevölkerung.[1] In den 1970er Jahren begann diese Rate jedoch anzusteigen und kletterte innerhalb der nächsten 30 Jahre immer weiter steil nach oben.[2] Anfang des 21. Jahrhunderts saßen so viele Menschen wie niemals zuvor in der Geschichte der USA im Gefängnis.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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