Ausgabe Juni 2015

Berliner Ampeleien

Auf eines kann man sich im politischen Berlin verlassen: Kaum scheint die malade FDP ein wenig genesen, ist bereits von ihrer „Wiederauferstehung“ die Rede. Und natürlich vor allem zu einem Zweck, um die geliebten koalitionären Farbspiele zu betreiben.

Springers Mann für visionäre Ampeleien ist Ulf Poschardt, Vize-Chef der „Welt“. Gegen das „machiavellistische Perpetuum mobile“ des Merkelianismus entdeckt er die neue Wunderwaffe: Rot-Gelb-Grün. Und die Verkörperung dieser neuen linksliberalen Traumkoalition hat Poschardt auch schon ausgemacht: Frank-Walter Steinmeier – „weil er von all den Führungsfiguren der Sozialdemokraten sicherlich die solideste Mischung aus Erfahrenheit und Charisma besitzt.“ Potztausend, bisher wurde manches mit FWS in Verbindung gebracht, aber Charisma war nicht darunter.

Doch Porsche-Poschardt, einmal in Fahrt, kann das nicht beeindrucken. Er weiß, was anderen bisher verborgen blieb: „Steinmeier ist seit seiner letzten Kandidatur gewachsen, er ist lässiger, entspannter und hedonistischer geworden. Als aufgeklärter Bohemien wäre er Botschafter jener neuen Gründerzeit, die unter Merkels listiger Kanzlerschaft möglich wurde.

Sie haben etwa 32% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 68% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Parteien