Ausgabe Dezember 2015

Zivilgesellschaft statt Sozialismus

In der Oktober-Ausgabe der Blätter plädierte der Sozialphilosoph Axel Honneth für eine Neubesetzung des Begriffs Sozialismus. Einen Etikettenschwindel sieht darin der Sozialwissenschaftler Reinhard Blomert.

Axel Honneth will „den Sozialismus“ wieder aufladen und revidieren. Eine überraschende Ankündigung, bei der man sich nicht nur fragt, mit welchem Mut Honneth diesen schillernden Begriff als ein klar definierbares geistiges Gebilde darstellt, sondern auch, welche Absichten er mit einem solchen Vorstoß verbindet.

Will er „den Sozialismus“ zunächst von „den Schlacken seines im 19. Jahrhundert wurzelnden Denkgehäuses befreien“, um ihm eine „der Gegenwart gemäße Gestalt“ zu geben, so hebt er ihn dann in den Rang eines „historisch übergreifenden Prozesses der Befreiung von kommunikationshemmenden Abhängigkeiten“. Er gibt ihm – in der Sprache Ernst Blochs – eine Fama als „Vorschein des Zukünftigen“, der in der Gegenwart aufgesucht werden kann. Honneths Beispiele für diesen Vorschein auf einen zukünftigen Sozialismus sind die Mitbestimmung und der Mindestlohn.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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