Ausgabe Juni 2016

Einfluss ohne Grenzen: Die neuen globalen Schatteneliten

Den Reichen dieser Welt wird Steuervermeidung leicht gemacht. Das jedenfalls ist eine Erkenntnis aus den spektakulären Enthüllungen der sogenannten Panama Papers.[1] Sie verdeutlichen aber noch mehr: Wer wohlhabend ist, kann sich in den Steuerparadiesen nicht nur der Pflicht entziehen, Abgaben zu zahlen – er verweigert sich damit auch mühelos Gesetzen und stellt sich über die Rechtsordnung. Die Nutzer von Steueroasen und Schatteneliten sind zwar nicht identisch, dennoch verweisen die Panama Papers auf ein grundlegenderes Phänomen.

Durch die Umbrüche der vergangenen Jahrzehnte haben sich neuartige Einflusseliten herausgebildet.[2] Sie halten sich an ein Erfolgsrezept, das ebenso neu ist: Sie üben ihre Herrschaft vor allem durch informelle und flexible Mittel aus, die den Radar öffentlicher Aufmerksamkeit unterlaufen. Sie sind weniger sichtbar, weniger stabil, aber beweglicher als ihre Vorläufer – und sie haben eine globale Reichweite. Ihre Praktiken entziehen sich konventionellen demokratischen Kontrollmechanismen. Zumindest auf einigen globalen Schauplätzen und besonders in den westlichen Demokratien mischen sie allenthalben mit: in der Energieversorgung wie im Gesundheitswesen, in der Finanzindustrie wie in der Außenpolitik.

So beeinflussen diese Eliten heutzutage viele Entscheidungen von weltweiter Bedeutung – und das mit einschneidenden Folgen.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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