Ausgabe Februar 2018

Die verkaufte Wahl

Trump, Brexit und der nationale Neoliberalismus

Der Westen steht wirtschaftspolitisch scheinbar vor einer Zäsur. Seit dem Brexit-Referendum und der Wahl Donald Trumps wird jedenfalls viel über ein „Ende des Neoliberalismus“ spekuliert. So argumentierte etwa der Ökonom Mark Blyth, die US-Wahl vom November 2016 habe die „neoliberale Ära“ beendet, die vor knapp 40 Jahren mit Ronald Reagan und Margaret Thatcher begann.[1] An ihre Stelle, so Blyth, trete nun eine sich abzeichnende Ära des „Neonationalismus“.

Diese These stützt sich auf die gängige Interpretation, wonach hinter der britischen Abkehr von der EU und der Wahl Trumps eine Revolte der Globalisierungsverlierer stehe. Eine solche Sicht liegt nahe: Zwar hat die Globalisierung weltweit zu größerer Gleichheit geführt, innerhalb der einzelnen Länder hat sie die Ungleichheit allerdings ansteigen lassen.[2] Dabei wird Globalisierung oft als unvermeidbarer, technologisch getriebener Prozess begriffen. Das aber kaschiert die politischen Entscheidungen, die zur wachsenden Ungleichheit beigetragen haben. Statt von Globalisierungsverlierern sollte man daher besser von Verlierern des Neoliberalismus sprechen. Die beiden großen politischen Schocks des Jahres 2016 können daher als verspätete Antwort der Wähler auf die Finanzkrise von 2008 verstanden werden.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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