Ausgabe Juni 2018

Die Rückkehr der Bombe

Die neue US-Nukleardoktrin und die russische »De-Eskalation«

Im kommenden Monat wird der »Atomwaffensperrvertrag« (NVV) fünfzig Jahre alt. Zugleich jährt sich die Verabschiedung eines »Atomwaffenverbotsvertrags« (VVA), dessen Aushandlung die UN-Generalversammlung 2016 mit großer Mehrheit gefordert hatte (Resolution 71/258) und den bis heute schon 58 Staaten unterzeichnet haben, ungeachtet der Abstinenz der Atommächte und der Nato. Die Kündigung des Iranabkommens und die Verabschiedung einer neuen Nuklearstrategie durch die USA (NPR 2018) dürften im Zentrum des Brüsseler Nato-Gipfels im Juli stehen. Im Folgenden setzen sich zwei Insider der »Strategic Community« mit einer Kernthese der neuen US-Doktrin auseinander, die für Länder, in denen – wie in Deutschland – US-Atomwaffen lagern, beunruhigende Implikationen hat, nämlich eine bedrohliche Absenkung der »Atomkriegsschwelle«. – D. Red.

Im Westen geht man zunehmend davon aus, Russland habe sich für eine Nuklearstrategie der „Eskalation zur Deeskalation“ entschieden – und dadurch die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen erschreckend stark abgesenkt. Von besonderer Bedeutung ist, dass die neue Nuclear Posture Review (NPR) der Trump-Administration diese Annahme als Tatsachenfeststellung behandelt. Sie plädiert deshalb dafür, dass die Vereinigten Staaten ihrerseits neue Atomwaffen mit (relativ) niedriger Explosivkraft (low-yield) beschaffen, um Russland auf niedrigeren Konfliktstufen abschrecken zu können.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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