Ausgabe Mai 2019

Mit der Bibel für Bolsonaro

Die Macht der brasilianischen Pfingstkirchen

Die Zentrale der Igreja Universal do Reino de Deus, der Universalkirche des Gottesreiches (IURD) hat wenig Ähnlichkeit mit den Megakirchen nordamerikanischen Typs. Ihre 18 Stockwerke stellen die großen Kästen, die man aus Vororten amerikanischer Großstädte, etwa in Texas oder Missouri, kennt, bei weitem in den Schatten. Hinter säulenbestückten Mauern aus importiertem Granit und Marmor findet man sich in einem 10 000-Plätze-Gotteshaus wieder und sieht weder Kreuze noch Orgeln, sondern die überdimensionale Darstellung einer Menora, eines siebenarmigen Leuchters also, die sich vom Eingang bis hin zur Kanzel erstreckt. Männer in Schals und Kappen, die stark an jüdische Gebetsmäntel und Kippas erinnern, widmen sich religiösen Zeremonien neben hebräisch beschrifteten Dekalogstafeln und einer vergoldeten Bundeslade. Das gigantische Bauwerk ist als vergrößerte Reproduktion des biblischen Salomo-Tempels gedacht, gleicht allerdings eher einem Cäsarenpalast.

Doch wir befinden uns hier in São Paulo, nicht in Las Vegas oder Jerusalem, und die Darsteller sind pfingstkirchliche Pastoren und nicht etwa Rabbis. Genauer gesagt handelt es sich um neu-pfingstlerische Pastoren, die ein synkretistisches Gebräu ausschenken, eine Mixtur aus Reichtumsverherrlichung, Millenarismus, Wunderheilung, Geisterbeschwörung und Exorzismus.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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