Ausgabe Mai 2019

EU-Urheberrechtsreform: Der Pyrrhussieg der Verlage

Das Europäische Parlament hat entschieden: Fortan sollen Algorithmen festlegen, ob ein im Internet hochgeladenes Werk urheberrechtlich geschützt ist oder nicht. Ende März verabschiedeten die Abgeordneten in Straßburg eine umfassende Reform des Urheberrechts. Diese war lange überfällig, da waren sich ausnahmsweise alle Beteiligten weitgehend einig. Das alte Recht basierte auf einer Welt ohne Internet, einer Welt, in der nur einige wenige Menschen kreativ tätig und für ihre Veröffentlichungen auf Verlage und Musikproduzenten angewiesen waren. Auf diese großen Player und ihre Verwertungsstrukturen war das alte Urheberrecht zugeschnitten. Heute jedoch tummeln sich im Netz keinesfalls nur Konsumentinnen, sondern vor allem „Prosumenten“, Verbraucherinnen, die immer auch Inhalte produzieren und über soziale Medien verbreiten – in Form von Zitaten, Verlinkungen, sogenannten Memes und Remixes.[1]

Geht es nach der Mehrheit im EU-Parlament, soll es damit nun ein Ende haben. Denn anstatt das Urheberrecht an die neue kulturelle Realität anzupassen und einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen herzustellen, entschieden sich die Abgeordneten für eine Reform, die weiterhin auf dem Denken des 20. Jahrhunderts basiert.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema