Ausgabe Juni 2019

Japan auf neuen Pfaden

Zweimal in den letzten 200 Jahren hat sich Japan neu erfunden: das erste Mal nach der Ankunft der amerikanischen Kriegsschiffe des Commodore Perry 1858 vor der japanischen Küste, die Japan die technische Überlegenheit des Westens vorführte. Damals war der radikale Umbau des Landes in der sogenannten Meiji-Restauration die Antwort auf die drohende Kolonialisierung. Das zweite Mal stieg Japan wie ein Phönix aus der Asche des Zweiten Weltkrieges wieder auf. In beiden Fällen hatten sich Japans altes Gesellschaftsmodell und sein wirtschaftliches und politisches System als nicht mehr lebensfähig erwiesen und seine Antwort war jeweils eine radikale Modernisierung des Landes.[1] Heute scheint Japan vor einer erneuten Wende zu stehen. Denn der Inselstaat steht vor zwei großen Herausforderungen, einer innenpolitischen und einer außenpolitischen.

Zum einen ist Japan die älteste Gesellschaft der Welt. Seit Jahrzehnten liegt die Geburtenrate des Inselstaats lediglich zwischen 1,3 und 1,4 Kindern pro Frau, während gleichzeitig die Lebenserwartung die höchste der Welt ist. Im Vergleich: Selbst in China, dem Land der langjährigen Ein-Kind-Politik, kommt mit durchschnittlich 1,6 Kindern pro Frau mehr Nachwuchs auf die Welt, Französinnen gebären im Schnitt knapp zwei Kinder.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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