Ausgabe Oktober 2020

Shinzo Abes langer Schatten

Yoshihide Suga nach seiner Wahl zum neuen Premierminister Japans in Tokio, Japan, am 16. September 2020.

Bild: imago images / Xinhua

In Japan endet dieser Tage eine Ära: Am 16. September 2020 wurde Yoshihide Suga zum neuen Premierminister gewählt. Als ehemaliger Kabinettsminister tritt er das Erbe Shinzo Abes an, der am 28. August nach einer Rekord-Amtszeit von fast acht Jahren unter Verweis auf gesundheitliche Probleme zurückgetreten war. Abes Entscheidung fiel – wie schon am Ende seiner ersten, bloß einjährigen Amtszeit 2007 – zu einem Zeitpunkt, an dem seine Amtsführung erheblicher Kritik ausgesetzt war und seine Umfragewerte drastisch sanken.

Schon in seiner ersten Amtszeit galt Abes Hauptaugenmerk seinen außenpolitischen Visionen und der Schaffung einer großen, stolzen Nation, während sein innenpolitisches Ansehen unter Korruptionsskandalen und einem Mangel an Führungskraft litt. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch heute. Zwar hatte nach Abes Amtsantritt 2012 zunächst sein jetziger Nachfolger Suga als Kabinettsminister und Regierungssprecher dafür gesorgt, dass Abe sich nicht in neue Skandale verstrickte. Zuletzt aber häuften sich erneut die Vorwürfe über politische Gefälligkeiten Abes und den Missbrauch öffentlicher Gelder – etwa im Zuge des jährlichen Kirschblütenempfangs des Ministerpräsidenten.[1]

Noch mehr beschädigte schließlich Abes zögerliches Corona-Krisenmanagement sein öffentliches Ansehen. Zu lange hielt Abe an der Olympiade fest, die die Krönung seiner Karriere hätte werden sollen.

Oktober 2020

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.