Ausgabe März 2022

Den Meuthen machen

Jörg Meuthen (IMAGO / Metodi Popow)

Bild: Jörg Meuthen (IMAGO / Metodi Popow)

Auf dem Berliner Parkett hat sich in jüngster Zeit ein neuer Begriff eingebürgert für jemanden, der zum geheimen Widerständler geworden ist, ohne dass es je ein anderer bemerkt hätte. Ein Widerständler under cover gewissermaßen. „Den Meuthen machen“, heißt der neueste Schrei, der inzwischen längst „den Lucke“ oder „die Petry machen“ abgelöst hat.

Man erinnere sich: Acht Jahre lang war Jörg Meuthen Mitglied der AfD, am Ende deren längstgedienter Vorsitzender und in dieser Funktion immer gerne auf jeder Sause des rechtsradikalen Flügels dabei. Jahrelang verfuhr er nach der bewährten Vogel-Strauß-Methode: Immer schön den Kopf in den Sand! So marschierte die AfD in seiner Amtszeit stramm Richtung Pegida und an den rechtsextremen Rand.

Doch nun die ganz große Erleuchtung: Meuthens Ansicht nach, man will es kaum glauben, stehen Teile der Partei nicht auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung! „Ich sehe da ganz klar totalitäre Anklänge“, so Meuthen mit neuem Bekennermut. Der wackere Ritter Jörg, man hält es kaum für möglich, will doch tatsächlich sogar beim braven Björn Höcke, „nationalsozialistische Anleihen“ erkannt haben.

März 2022

Sie haben etwa 32% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 68% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Rechtsradikalismus