Ausgabe März 2022

Mit allen Mitteln zur absoluten Macht

Correctiv

Bild: Correctiv

Das journalistische Recherchezentrum Correctiv in Essen, bekannt unter anderem durch die Aufdeckung der AfD-Spendenaffäre und die Recherchen zum CumEx-Steuerskandal, nutzt seit einigen Jahren immer wieder auch Comics, um die Ergebnisse seiner Arbeit zu verbreiten. Nach Comic-Reportagen beispielsweise zur rechtsextremen Szene in Dortmund („Weiße Wölfe“) und zur Fernsteuerung von Gräueltaten in Afrika aus Deutschland („Made in Germany: Ein Massaker im Kongo“) ist nun eine Comic-Biographie über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan erschienen, verfasst und gezeichnet von zwei Exilanten. Autor ist der in der Türkei verfolgte Journalist Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der Tageszeitung „Cumhuriyet“, der heute in Berlin lebt und unter anderem für „Die Zeit“ schreibt. Die Zeichnungen stammen vom ägyptisch-sudanesischen Künstler Mohamed Anwar, der nach dem Scheitern des Arabischen Frühlings ebenfalls in Berlin Zuflucht gefunden hat und den Dündar durch die Vermittlung von Correctiv kennenlernte. Die Vorstellung des Buches bei der Frankfurter Buchmesse 2021 musste denn auch unter Polizeischutz erfolgen.

Warum ein Comic über Erdoğan? Darauf hat Dündar in einem Interview verschmitzt geantwortet: Weil dieser Cartoons so überhaupt nicht mag, vor allem keine, die ihn aufs Korn nehmen. Letzteres geschieht hier allerdings nicht, vielleicht zur Enttäuschung mancher Kritiker des türkischen Präsidenten.

März 2022

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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