Ausgabe April 2022

Welche Exit-Option für Putin?

Antikriegsplakate mit Bildern des russischen Präsidenten Wladimir Putin in in Warschau/Polen, 23.3.2022 (IMAGO / NurPhoto)

Bild: Antikriegsplakate mit Bildern des russischen Präsidenten Wladimir Putin in in Warschau/Polen, 23.3.2022 (IMAGO / NurPhoto)

Im Westen herrscht verbreitet das Gefühl, dass Wladimir Putin nicht nur daran gehindert werden muss, die Ukraine zu kolonisieren, sondern dass er vielmehr für seine Barbarei auch bestraft gehört – ein Imperativ elementarer Gerechtigkeit. Allerdings sind die Regierenden zugleich mit einem zweiten Imperativ konfrontiert. Die erschreckende Realität ist ja, dass die Atomkriegsgefahr gegenwärtig größer ist als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt seit der Kubakrise von 1962. In mancher Hinsicht übertrifft das Risiko, dass die Krise außer Kontrolle gerät, heute sogar noch dasjenige, vor dem damals John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow standen. Anders als 1962 tobt 2022 auf einem Territorium, das für beide Seiten von vitalem Interesse ist, schon ein heißer Krieg. Die eine Seite sieht dieses Territorium als wichtig für ihre nationalen Interessen an und die andere weiß, das von ihm ihr Überleben als Nation abhängt. Der Krieg ist, anders gesagt, zu einem Nullsummenspiel geraten – auch wenn es keinen vernünftigen Grund dafür gibt, Putins Glauben, die Ukraine bedrohe Russlands Sicherheit, irgendwelche Berechtigung zuzusprechen.

Noch gefährlicher wird die Situation dadurch, dass die Ukraine legitimer- und vernünftigerweise durch eben jenes Militärbündnis bewaffnet und versorgt wird, das Moskau am meisten fürchtet – die Nato. Gleichzeitig wird Russland einer immer einschnürenderen Wirtschaftsblockade unterworfen, die seinen Rückzug erzwingen soll.

April 2022

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Ukraine: Zwischen Korruption und Diktatfrieden

von Yelizaveta Landenberger

Anfang Dezember herrschte rege Pendeldiplomatie, während die Bombardierung ukrainischer Städte und die russischen Vorstöße an der Front unvermindert weitergingen. Völlig unklar ist, ob der im November bekannt gewordene US-»Friedensplan« auch nur zu einem Waffenstillstand führen kann.