Ausgabe Oktober 2022

Russlands Schwäche: Machtvakuum im Kaukasus

Manöver Echelon 2021 der OVKS-Staaten Tadschikistan, Russland, Kirgisistan, Kasachstan, Belarus und Armenien nahe der afghanischen Grenze in Tadschikistan, 18.10.2021 (IMAGO/ITAR-TASS Peter Kovalev)

Bild: Manöver Echelon 2021 der OVKS-Staaten Tadschikistan, Russland, Kirgisistan, Kasachstan, Belarus und Armenien nahe der afghanischen Grenze in Tadschikistan, 18.10.2021 (IMAGO/ITAR-TASS Peter Kovalev)

Es war die schwerste Eskalation im langjährigen Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan seit dem Krieg um Bergkarabach im Herbst 2020: Am 13. und 14. September starben bei heftigen Kämpfen mehr als 200 Soldaten beider Seiten. Die Grenze zwischen den verfeindeten Ländern ist auf beiden Seiten hochgerüstet. Jerewan zufolge sei armenisches Territorium von aserbaidschanischer Seite „intensiv mit Artillerie, Großkaliber und Kleinwaffen“ beschossen worden.[1] Baku wiederum erklärte dies als eine Reaktion auf eine „groß angelegte Provokation“ der armenischen Streitkräfte.[2] In beiden Ländern tauchten schnell eigene Versionen dessen auf, wer von einer Eskalation profitieren würde. Aserbaidschan glaubt etwa, dass Armenien neue Gasgeschäfte zwischen Baku und Brüssel verhindern will. Armenien wiederum ist davon überzeugt, dass die aserbaidschanische Seite die Schwäche Russlands ausnutzt, das im Krieg mit der Ukraine unter militärischer Bedrängnis steht.

Armenien ist nun auf der Suche nach einem Garanten für seine Sicherheit. Das Land gehört der von Russland geführten Organisation des „Vertrags über kollektive Sicherheit“ (OVKS) an und erwartet von Moskau eine härtere und grundsätzlichere Antwort.

Oktober 2022

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema