Ausgabe Dezember 2023

Venezuela: Vom Paria zum Partner?

Ein Fischer am Ufer des stark mit Öl verschmutzten Maracaibo-Sees in Venezuela, 29.12.2019 (IMAGO / Agencia EFE / Miguel Gutierrez)

Bild: Ein Fischer am Ufer des stark mit Öl verschmutzten Maracaibo-Sees in Venezuela, 29.12.2019 (IMAGO / Agencia EFE / Miguel Gutierrez)

Seit Jahren tobt in Venezuela ein erbitterter Machtkampf zwischen der Regierung von Präsident Nicolás Maduro und der rechten Opposition. Beide Seiten bedienten sich dabei in der Vergangenheit immer wieder undemokratischer Mittel. Nun könnte der Konflikt auf den Boden der Verfassung zurückgeholt werden: Am 17. Oktober unterzeichneten die venezolanische Regierung und das rechte Oppositionsbündnis „Plataforma Unitaria Democrática“ in Barbados ein Abkommen über transparente Wahlen, das als Grundlage für weitere Gespräche dienen soll.[1]

Trotz vereinzelter Kritik[2] gilt dieses als die weitreichendste Vereinbarung zwischen Regierung und Opposition seit dem Amtsantritt von Maduro im Jahr 2013. Laut dem Abkommen soll die gemäß Verfassung für 2024 vorgesehene Präsidentschaftswahl in der zweiten Jahreshälfte stattfinden. Die politischen Lager sollen dafür ihre Kandidaturen nach jeweils eigenen Regeln bestimmen und sich beim Nationalen Wahlrat (CNE) gemeinsam für umfassende Wahlgarantien einsetzen. Dazu zählen die Aktualisierung des Wählerregisters im In- und Ausland sowie eine glaubwürdige internationale Wahlbeobachtung. Hinzu kommen sollen ein respektvoller öffentlicher Diskurs, Gewaltverzicht, die Förderung des gleichberechtigten Zugangs zu Medien sowie die öffentliche Anerkennung der Wahlergebnisse durch alle Seiten. All das war in den vergangenen Jahren nur bedingt gegeben.

»Blätter«-Ausgabe 12/2023

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Venezuela: Kolonialismus des 21. Jahrhunderts?

von Ferdinand Muggenthaler

Anfang April veröffentlichte die »New York Times« eine Recherche über den Entscheidungsprozess, der zum US-Angriff auf Iran führte. Der Bericht bestätigt, was Donald Trump auch öffentlich immer wieder anklingen lässt: Die Militäraktion gegen Venezuela hat ihn motiviert.