Ausgabe Januar 2024

Mexiko: Das Erbe des linken Patriarchen

Wie 2024 eine Präsidentin das Land verändern könnte

Andres Manuel Lopez Obrador übergibt den Staffelstab an Claudia Sheinbaum Pardo, 8.9.2023 (IMAGO / ZUMA Wire / Luis E. Salgado)

Bild: Andres Manuel Lopez Obrador übergibt den Staffelstab an Claudia Sheinbaum Pardo, 8.9.2023 (IMAGO / ZUMA Wire / Luis E. Salgado)

Die zweitgrößte lateinamerikanische Volkswirtschaft wird eine Präsidentin bekommen. Die sechsjährige Amtszeit des mexikanischen Staatschefs endet und sowohl die Regierungspartei als auch das größte Oppositionsbündnis haben beschlossen, eine Frau ins Rennen zu schicken, wenn am 2. Juni 2024 ein neues Staatsoberhaupt gewählt wird. Das ist bemerkenswert in einem Land, das von einem gewalttätigen Machismus geplagt und dessen Gesellschaft von einem katholischen Familienbild gezeichnet ist. Aber auch aus anderen Gründen lohnt es sich, auf die politische Entwicklung des mit 127 Millionen Einwohnern auch zweitbevölkerungsreichsten lateinamerikanischen Landes zu schauen. Der scheidende Präsident Andrés Manuel López Obrador erfreut sich nach fünf Jahren noch immer großer Beliebtheit. Etwa 65 Prozent der Bevölkerung stehen hinter ihrem linken Staatschef.[1] Könnte der 69-Jährige im kommenden Jahr bei den Wahlen wieder antreten, würde er wohl erneut als Sieger hervorgehen. Doch die Verfassung sieht keine Wiederwahl vor, und López Obrador hat auch nicht versucht, diese Bestimmung zu ändern. Auch das ist bemerkenswert: Denn in vielem erinnert er an populistische Amtskollegen wie den ehemaligen Präsidenten Venezuelas, Hugo Chávez, die sich durch Verfassungsänderungen an ihr Amt klammern wollten. In diesem Punkt jedenfalls ist der mexikanische Präsident ihnen nicht gefolgt.

»Blätter«-Ausgabe 1/2024

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Venezuela: Kolonialismus des 21. Jahrhunderts?

von Ferdinand Muggenthaler

Anfang April veröffentlichte die »New York Times« eine Recherche über den Entscheidungsprozess, der zum US-Angriff auf Iran führte. Der Bericht bestätigt, was Donald Trump auch öffentlich immer wieder anklingen lässt: Die Militäraktion gegen Venezuela hat ihn motiviert.