Ausgabe September 2024

Labour und das Unvereinigte Königreich: Zwischen Aufbruch und Rechtsruck

Ein zerrissene Union-Jack-Flagge (IMAGO / Depositphotos)

Bild: Ein zerrissene Union-Jack-Flagge (IMAGO / Depositphotos)

Labours überwältigende Mehrheit im neuen Unterhaus ermöglicht auf gesamtbritischer Ebene nach den Wahlen vom 4. Juli ein komfortables Durchregieren.[1] Doch jenseits von Westminster wird es dem neuen Premierminister Keir Starmer wesentlich schwerer fallen, seine Politik ohne Kompromisse durchzusetzen. Schottland, Wales und Nordirland verfügen über eigene Parlamente mit sehr eigenständigen Landesregierungen. Das Verhältnis zur abgewählten Tory-Regierung war zumeist zerrüttet, und auch die neue Regierung wird es in der Zusammenarbeit nicht leicht haben, denn die Mehrheitsverhältnisse in den drei Landesparlamenten sind unübersichtlich und keine der drei Landesregierungen erwies sich in den vergangenen zwei Jahren als stabil. Zugleich droht 2026 bei den nächsten Wahlen in Wales und Schottland der Einzug der rechtspopulistischen Reform-Partei von Nigel Farage in die beiden Landesparlamente. Eine solche parlamentarische Vertretung könnte Reform UK als politisches und mediales Sprungbrett für die nächsten Unterhauswahlen dienen.

Schon jetzt versucht Farage, die gesellschaftliche Stimmung weiter anzuheizen. So forderte er schon im Wahlkampf in einer TV-Debatte ganz offen, sich seiner „Revolte“ anzuschließen. Und nach der Tötung von drei Mädchen im englischen Southport meldete er sich schnell mit der „Frage“, ob die Wahrheit zu dem Verbrechen womöglich „zurückgehalten“ werde.

»Blätter«-Ausgabe 9/2024

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Ukraine: Zwischen Korruption und Diktatfrieden

von Yelizaveta Landenberger

Anfang Dezember herrschte rege Pendeldiplomatie, während die Bombardierung ukrainischer Städte und die russischen Vorstöße an der Front unvermindert weitergingen. Völlig unklar ist, ob der im November bekannt gewordene US-»Friedensplan« auch nur zu einem Waffenstillstand führen kann.

Vom Einsturz zum Aufbruch: Die Protestbewegung in Serbien

von Krsto Lazarević

Rund 110 000 Menschen füllen am 1. November die Fläche vor dem Hauptbahnhof in Novi Sad, um der Opfer zu gedenken, die ein Jahr zuvor unter dem einstürzenden Vordach starben. Für die seit Monaten Protestierenden steht der Einsturz nicht für ein bauliches, sondern für ein politisches und gesellschaftliches Versagen: ein sichtbares Symbol für Korruption und ein zunehmend autokratisches System.

Der Kampf um Grönland: Versöhnung als Geopolitik

von Ebbe Volquardsen

Die Stadt Karlsruhe könnte schon bald vor einem Dilemma stehen. Im Januar 2025 zeichnete sie ihren langjährigen Stadtvertreter Tom Høyem (FDP) mit der Ehrenmedaille aus. In den 1980er Jahren war der gebürtige Däne, mittlerweile auch deutscher Staatsbürger, Dänemarks letzter Minister für Grönland – ein Amt aus der Kolonialzeit.