Ausgabe Oktober 2025

Rente: Wider den demografischen Alarmismus

Symbolbild: Einkommens- und Ungleichverteilung (IMAGO / Panthermedia)

Bild: Symbolbild: Einkommens- und Ungleichverteilung (IMAGO / Panthermedia)

In der Juli-Ausgabe der „Blätter“ argumentierte der Wirtschaftswissenschaftler Frank Hoffer, die Rente könne durch Produktivitätswachstum und eine gerechtere Finanzierung gesichert werden. Eine Integration von allen Beschäftigten in eine allgemeine Rentenversicherung lehne er jedoch ab. Dem widerspricht der Gewerkschaftssekretär Maximilian Waclawczyk. Er kritisiert das vorherrschende Narrativ der „gestörten Generationengerechtigkeit“ und fordert eine solidarische Erwerbstätigenversicherung für alle sowie eine gerechte Besteuerung von Kapitaleinkünften, hohen Vermögen und Erbschaften, um die Rente zukunftsfest zu machen. 

Die Menschen müssten mehr und länger arbeiten, das Rentenniveau müsse gesenkt, „hohe“ Renten gekürzt und allgemein mehr privat vorgesorgt werden – die Liste der Vorschläge für eine Reform des deutschen Rentensystems ist lang. Immer wieder und mit großer Hartnäckigkeit wird dabei das Narrativ von der gestörten Generationengerechtigkeit bemüht, auch in der aktuellen Debatte über die Stabilisierung des Rentenniveaus. 

Den argumentativen Bezugspunkt im momentanen Gerechtigkeits- und Sozialstaatsdiskurs bildet die durch den demografischen Wandel drohende Überforderung der Jungen: „Die Babyboomer müssen ihren Teil dazu beitragen, dass die Sozialversicherungssysteme nicht kollabieren“, forderte jüngst Monika Schnitzer.[1]

Dabei besteht für demografischen Alarmismus kein Anlass.

»Blätter«-Ausgabe 10/2025

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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