Ausgabe Februar 2026

Welt ohne Recht: Trumps Schurkenimperium und Europas Dilemma

Donald Trumps Gesicht auf Videoleinwänden vor dem Weißen Haus in Washington, 6.1.2021 (IMAGO / Newscom World)

Bild: Donald Trumps Gesicht auf Videoleinwänden vor dem Weißen Haus in Washington, 6.1.2021 (IMAGO / Newscom World)

Völkerrecht brauche ich nicht.« Deutlicher als mit diesem Satz in seinem jüngsten Interview mit der »New York Times« hätte der amtierende US-Präsident sein Verhältnis zum Recht wohl nicht zum Ausdruck bringen können.[1] Nein, die Bindung an das Völkerrecht kommt in Donald Trumps Gedankenhorizont nicht vor. Zwar räumt er ein, dass seine Regierung diesem grundsätzlich folgen müsse, fügt aber hinzu: »Es hängt davon ab, was Sie als Völkerrecht definieren.« Und in dieser Frage kennt Trump nur einen Maßstab: »Ja, da gibt es eine Sache. Meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich aufhalten kann.« 

Hier zeigt sich der ganze Dezisionismus und Rechtsnihilismus, der an einen fatalen Satz der deutschen Unrechtsgeschichte erinnert: »Der Führer schützt das Recht.«[2] Zeitgemäß übersetzt: Der US-Präsident setzt das Recht. Was Völkerrecht ist, bestimme ich. Insofern ist es nur konsequent, dass die USA unter dem Völkerrechtsverächter Trump aus inzwischen fast 70 internationalen Abkommen ausgetreten sind, darunter so wichtige wie das Pariser Klimaabkommen, der Weltklimarat, UNCTAD, WHO und UNESCO.

Gerade mal ein Jahr im Amt, hat Trump auf diese Weise die Weltordnung bereits radikal verändert. Wir erleben das Ende der Welt, wie wir sie kannten – nämlich das Ende der regelbasierten Nachkriegsordnung und die neue Vorherrschaft einer imperialistischen Troika: USA, China, Russland.

»Blätter«-Ausgabe 2/2026

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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