Ein Plädoyer für einen radikalen Linksliberalismus
Bild: Die Vereindeutigung der Welt ist laut und auftrumpfend, die Vervieldeutigung ist ruhig, nachdenklich und zweifelnd. Symbolbild (IMAGO / Westend61)
Die Zerstörung der Vernunft als das auf dem Austausch von Argumenten basierende demokratische Grundverständnis steht im Mittelpunkt des globalen Rechtspopulismus, der sich immer mehr zu einem Rechtsradikalismus verfestigt. Dem ist jedoch nicht durch eine linkspopulistische Gegenbewegung beizukommen, sondern nur durch einen gleichermaßen aufgeklärten wie radikalen Linksliberalismus, der die Verteidigung liberaler Offenheit mit dem Kampf für Gerechtigkeit verbindet.
Ob Trump oder Kickl, Orbán oder Weidel: Fast überall in der westlichen Welt ist die Demokratie vom Geist der Illiberalität, des Antipluralismus und des autoritären Rechtsextremismus bedroht. In zunehmender Geschwindigkeit erleben wir die Verschärfung vom »Rechtspopulismus« als politischen Stil zum Rechtsextremismus und zum Faschismus.
Dabei spiegelt sich die Selbstradikalisierung der populistischen Anführer in der Selbstradikalisierung ihrer Anhängerschaft. Wer einmal als bloß irgendwie Unzufriedener mit autoritärer Mentalität in die Fänge der faschistischen Propaganda geraten ist, hat oft nach einigen Jahren ein völlig verhärtetes rechtsextremes Weltbild, zumeist auf Basis kruder Verschwörungstheorien. Der Irrsinn regiert; Irrationalität und Wahn nehmen vom politischen Klima und der Öffentlichkeit Besitz. Das Gebot der Stunde ist folglich die Verteidigung der Vernunft.
Eine Taktik der neuen Faschisten ist dagegen gerade die »Zerstörung der Vernunft«.