Ausgabe März 2026

Die Verteidigung der Vernunft

Ein Plädoyer für einen radikalen Linksliberalismus

Die Vereindeutigung der Welt ist laut und auftrumpfend, die Vervieldeutigung ist ruhig, nachdenklich und zweifelnd. Symbolbild (IMAGO / Westend61)

Bild: Die Vereindeutigung der Welt ist laut und auftrumpfend, die Vervieldeutigung ist ruhig, nachdenklich und zweifelnd. Symbolbild (IMAGO / Westend61)

Die Zerstörung der Vernunft als das auf dem Austausch von Argumenten basierende demokratische Grundverständnis steht im Mittelpunkt des globalen Rechtspopulismus, der sich immer mehr zu einem Rechtsradikalismus verfestigt. Dem ist jedoch nicht durch eine linkspopulistische Gegenbewegung beizukommen, sondern nur durch einen gleichermaßen aufgeklärten wie radikalen Linksliberalismus, der die Verteidigung liberaler Offenheit mit dem Kampf für Gerechtigkeit verbindet.

Ob Trump oder Kickl, Orbán oder Weidel: Fast überall in der westlichen Welt ist die Demokratie vom Geist der Illiberalität, des Antipluralismus und des autoritären Rechtsextremismus bedroht. In zunehmender Geschwindigkeit erleben wir die Verschärfung vom »Rechtspopulismus« als politischen Stil zum Rechtsextremismus und zum Faschismus.

Dabei spiegelt sich die Selbstradikalisierung der populistischen Anführer in der Selbstradikalisierung ihrer Anhängerschaft. Wer einmal als bloß irgendwie Unzufriedener mit autoritärer Mentalität in die Fänge der faschistischen Propaganda geraten ist, hat oft nach einigen Jahren ein völlig verhärtetes rechtsextremes Weltbild, zumeist auf Basis kruder Verschwörungstheorien. Der Irrsinn regiert; Irrationalität und Wahn nehmen vom politischen Klima und der Öffentlichkeit Besitz. Das Gebot der Stunde ist folglich die Verteidigung der Vernunft.

Eine Taktik der neuen Faschisten ist dagegen gerade die »Zerstörung der Vernunft«.

»Blätter«-Ausgabe 3/2026

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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