Ausgabe März 2026

Mutter, Macht, Nation

Wie Giorgia Meloni die italienische Rechte verkörpert

Giorgia Meloni am 13. Juni 2024 am Rande des G7-Treffens in Savelletri Di Fasano (Presidenza Del Consiglio / G7 Ital / IMAGO / ZUMA Press Wire)

Bild: Giorgia Meloni am 13. Juni 2024 am Rande des G7-Treffens in Savelletri Di Fasano (Presidenza Del Consiglio / G7 Ital / IMAGO / ZUMA Press Wire)

Auf der internationalen Bühne ist Giorgia Meloni ihres neofaschistischen Hintergrundes zum Trotz längst akzeptiert, gar geachtet. Mal besucht sie als Teil einer europäischen Unterstützerkoalition für die Ukraine Donald Trump im Weißen Haus, mal empfängt sie Friedrich Merz und sein Kabinett zu deutsch-italienischen Regierungskonsultationen in Rom. Doch wie verhält es sich in Italien? Was prägt Melonis Politik?

Giorgia Meloni nennt sich »il presidente«, nicht »la presidente«, wie es eigentlich naheliegend und auch grammatisch korrekt wäre. Nein, »il presidente«. Sie ist der Chef, nicht die Chefin, der Leader, nicht die Leaderin. Noch nie hat es eine Frau so weit gebracht im Regierungsapparat, sie ist die erste Ministerpräsidentin der italienischen Geschichte überhaupt. Pardon, der erste weibliche Ministerpräsident. Giorgia Meloni besteht auf der männlichen Anrede – mit der Begründung, sie möge keine weiblichen Formen. Ihre Position ist so bemerkenswert, dass sich kurz nach ihrem Regierungsantritt im Herbst 2022 sogar die Accademia della Crusca, die Hüterin der italienischen Sprache, zu Wort meldete: »Bestimmte Titel mit weiblicher Endung zu benutzen, ist in jedem Falle berechtigt, und wer sie gebraucht, akzeptiert eine inzwischen weit vorangeschrittene historische Entwicklung«, ließ der Vorsitzende Claudio Marazzini verlauten: »Dennoch, wer die männlichen Formen vorzieht, hat ebenfalls das Recht, dies zu tun.«

Also: il presidente.

»Blätter«-Ausgabe 3/2026

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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