Bild: Ein Stahlarbeiter im Schutzanzug, 10.11.2023 (IMAGO / Rupert Oberhäuser)
Man könnte annehmen, dass Stahl gerade in Zeiten wachsender Handelskonflikte und Aufrüstung ein gefragter strategischer Grundstoff sei. Doch aktuell steckt die deutsche Stahlindustrie mal wieder in der Krise. 2025 gab Deutschlands größter Stahlhersteller ThyssenKrupp bekannt, 11 000 Stellen streichen zu wollen. Gerade verhandelt der Konzern über ein Übernahmeangebot von Jindal Steel aus Indien.1 Der Verkauf an die indische Konkurrenz hätte Signalwirkung; die Arbeitsplätze sollen auch im Falle einer Übernahme nicht erhalten bleiben. Auch an anderen Standorten ist die Lage angespannt. So verzichtete der weltweit zweitgrößte Stahlproduzent, der multinationale Stahlkonzern ArcelorMittal mit Sitz in Luxemburg, rückwirkend auf Subventionen in Milliardenhöhe für eine grüne Umrüstung seiner Werke in Eisenhüttenstadt und Bremen; ähnlich lief es zunächst an französischen Arcelor-Standorten ab. Im Standort im nordfranzösischen Dünkirchen verkündete man aber inzwischen, wieder in Dekarbonisierung zu investieren.
Der Begriff der Krise haftet der deutschen Stahlindustrie schon seit Jahrzehnten an. Arbeitnehmer, die etwas länger in der Industrie beschäftigt sind, können sich an mehrere Krisensitzungen erinnern, die sich nach dem sicheren Ende anfühlten. Doch irgendwie ging es immer weiter. Und heute? Deutschland ist der größte Stahlhersteller Europas.