Ausgabe Mai 2026

Rechts, weiblich – und frei?

Wie traditionalistische Frauenbilder den autoritären
Aufstieg befördern

Die »Tradwives«, also »traditionelle Ehefrauen«, preisen die Vorteile stereotyper, dem Mann untergeordneter Weiblichkeit an. (Bild: IMAGO / allOver-MEV)

Bild: Die »Tradwives«, also »traditionelle Ehefrauen«, preisen die Vorteile stereotyper, dem Mann untergeordneter Weiblichkeit an. (Bild: IMAGO / allOver-MEV)

Mit dem weltweiten Aufstieg der autoritären Rechten vollzieht sich in vielen modernen Gesellschaften eine antifeministische und antidemokratische Wende. Rechtskonservative und rechtsextreme Frauen und ihre Erzählung von einer »konservativen Weiblichkeit« leisten dazu ihren Beitrag – und werden noch immer massiv unterschätzt.

Wir müssen über einen Elefanten im Raum sprechen, nämlich über rechtskonservative und rechtsextreme Frauen. Das postpatriarchale Chaos unserer Tage, das nicht etwa von einer konservativen Rückkehr zu alten patriarchalen Werten geprägt ist, sondern vom skrupellosen Streben toxischer Männer nach einer ungeregelten Herrschaft des Stärkeren, wird ja nicht nur von Männern veranstaltet, sondern Frauen mischen gehörig mit. Zwar sind rechtsextreme Parteien deutlich männerdominiert, in einer Größenordnung von etwa 80 Prozent,1 aber mit Marine le Pen, Giorgia Meloni und Alice Weidel stehen in wichtigen europäischen Ländern Frauen an ihrer Spitze. In den USA hat bzw. hatte Donald Trump in Pam Bondi und Kristi Noem loyale Ministerinnen, und seine Stabschefin Susie Wiles ist eine der wichtigsten Personen im Weißen Haus. In Japan ist im Oktober 2025 erstmals eine Frau Ministerpräsidentin geworden, und zwar die rechtsgerichtete Nationalistin Sanae Takaichi. Und den Friedensnobelpreis gewann im selben Jahr die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado, die ebenfalls zur internationalen Rechten gezählt werden kann.

»Blätter«-Ausgabe 5/2026

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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