Ausgabe Mai 2026

Krieg wofür – und für wen?

Die Debatte um Wehrdienst und Verweigerung

Zwei Soldaten auf einem Truppenübungsplatz, 6.9.2025 (Florian Gaertner / IMAGO / photothek)

Bild: Zwei Soldaten auf einem Truppenübungsplatz, 6.9.2025 (Florian Gaertner / IMAGO / photothek)

Angesichts des Krieges in der Ukraine gibt es in der Bundesrepublik 70 Jahre nach Einführung der Wehrpflicht und 15 Jahre nach ihrer Abschaffung eine engagierte Debatte um die Notwendigkeit ihrer Wiedereinführung. Dabei geht es um die zentrale Frage, wie der Frieden in Europa und die demokratische Lebensform verteidigt werden können – und welcher persönliche Einsatz dafür erforderlich ist.

Ich bin lieber lebendig als tot«, mit dieser Sentenz präsentierte das linke Magazin »Jacobin« im letzten Jahr die Streitschrift des Podcasters Ole Nymoen »Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde. Gegen die Kriegstüchtigkeit«.1 Doch wer würde dieser Position nicht zustimmen, wer wäre nicht lieber lebendig als tot – jedenfalls in unseren westlichen Breiten (und anders als die Protagonisten al-Qaidas mit ihrer Devise »Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod«)? 

Auch der vielleicht entschiedenste Kritiker Nymoens in der Generation der Jüngeren, der Journalist Artur Weigandt, teilt in seiner Antikritik »Für euch würde ich kämpfen. Mein Bruch mit dem Pazifismus« den Wunsch zu leben und zu überleben. Nicht hier liegt also die Bruchlinie zwischen den Befürwortern und den Gegnern der Wehrpflicht in der aktuellen Diskussion. Nein, in der Kontroverse um Wehrdienst und Pazifismus geht es um mehr, nämlich um die Bewahrung des Friedens und der Demokratie in Europa – und um die Frage, wer dafür verantwortlich ist.

»Blätter«-Ausgabe 5/2026

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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