Ausgabe Mai 2026

Entwurzelung und Aufbruch: Displaced Persons nach 1945

Die Abkürzung dürfte vielen geläufig sein: DPs – Displaced Persons. Menschen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland gestrandet waren, obwohl sie – nach eigenem Verständnis wie der Zuschreibung von außen – eigentlich nicht hierher gehörten. Über die Unterschiedlichkeit und das Schicksal der DPs ist hierzulande dagegen nach wie vor wenig bekannt. Geprägt wurde der Begriff auf einer Tagung der UNRRA: der United Nations Relief and Rehabilitation Administration. Die Organisation wurde im Herbst 1943 auf Initiative der USA gegründet, um jenen zu helfen, die durch das Vorrücken der Alliierten in Europa von den Nationalsozialisten befreit wurden: Zwangsarbeiter, KZ-Überlebende und Kriegsgefangene, aber auch sonstige – nichtdeutsche – Vertriebene sowie sowjetische Soldaten, die sich der Wehrmacht angeschlossen hatten. Letztlich handelte es sich um eine Gruppe von über zehn Millionen Menschen verschiedenster Herkünfte, Sprachen und Religionen. Sie alle wurden unter der Kategorie Displaced Persons zusammengefasst, um sie verwaltungsmäßig handhabbar zu machen.

Die aus Australien stammende Historikerin Sheila Fitzpatrick, die lange in Chicago Geschichte der Sowjetunion gelehrt hat, hat eine dieser Gruppen untersucht und darüber ein ausgesprochen spannendes Buch geschrieben: »Lost Souls. Sowjetische DPs und der Beginn des Kalten Krieges«.

»Blätter«-Ausgabe 5/2026

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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