Ausgabe Mai 2026

Kanzler ohne Konzept: Ein Jahr Friedrich Merz

Friedrich Merz im Bundestag (IMAGO / Emmanuele Contini)

Bild: Friedrich Merz im Bundestag (IMAGO / Emmanuele Contini)

Man will es kaum glauben, aber am 6. Mai ist es gerade einmal ein Jahr her, dass Friedrich Merz zum Bundeskanzler gewählt und anschließend samt seiner Ministerinnen und Ministern vereidigt wurde. Offensichtlich gilt hier der alte, Lenin zugeschriebene Satz: »Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert, und Wochen, in denen Jahrzehnte passieren.« 

Zweifellos gab es in der bisherigen Amtszeit der Regierung Merz eine enorme Ereignisdichte. Besonderes intensiv aber gestaltete sich der vergangene Monat. 

Vor nur drei Wochen, in der Nacht vom 7. auf den 8. April 2026, starrte die Welt um 2 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit gebannt auf Iran, nachdem US-Präsident Donald Trump die Auslöschung »einer ganzen Zivilisation«1 für den Fall angekündigt hatte, dass die Führung in Teheran die Straße von Hormus nicht freigeben werde. Diese genozidale Androhung war zweifellos der (bisherige) Höhepunkt der Trumpschen Bereitschaft, alle völkerrechtlichen Bindungen zu zerschlagen. Zum Glück ließ der US-Präsident einmal mehr seiner lautstarken Ankündigung keine Taten folgen, auch weil sich Iran auf Verhandlungen einließ und Trump zunehmend Gegenwind aus den eigenen Reihen bekommt, was offensichtlich wie schon im Fall seines Rückzugs in Sachen Grönland Wirkung zeigt.

»Blätter«-Ausgabe 5/2026

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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