Ausgabe Mai 2026

Sexualisierte Gewalt: Der nette Typ von nebenan

Demonstration gegen sexualisierte Gewalt unter dem Motto »Es reicht! Die Scham muss die Seite wechseln« in Hamburg, 26.3.2026 (IMAGO / Future Image)

Bild: Demonstration gegen sexualisierte Gewalt unter dem Motto »Es reicht! Die Scham muss die Seite wechseln« in Hamburg, 26.3.2026 (IMAGO / Future Image)

Ende März zog es spontan viele Menschen zu Demonstrationen in zahlreichen Großstädten des Landes. Der Anlass dafür waren Vorwürfe von Collien Fernandes im »Spiegel« über mutmaßliche Taten ihres Ex-Ehemanns Christian Ulmen, die sich in ihrer Ausführlichkeit und Perfidität schwer ignorieren lassen1, auch wenn Ulmen sie durch seine Anwälte abstreitet. Der Schock darüber riss viele aus dem Alltag und ließ tausende Menschen gegen Gewalt an Frauen auf die Straße gehen. Doch ob diese Mobilisierung nun endlich Konsequenzen hat, ist offen. Die Frage, die wieder einmal bleibt, ist: Was, wenn sich selbst jetzt nichts ändert? 

Der erste große Schock mit medialer Aufmerksamkeit ist beinahe zehn Jahre her: die riesige MeToo-Bewegung von 2017 im Zuge des Weinstein-Skandals. Die Schauspielerin Alyssa Milano brach das Schweigen der Branche und berichtete von gewaltvollem Machtmissbrauch, Erniedrigung und Vergewaltigung durch mächtige Männer der Filmbranche. Millionen von Frauen teilten daraufhin ihre Erfahrungen und eröffneten so die Möglichkeit eines flächendeckenden Lagebildes von weltweitem Sexismus und Gewalt. 

In den darauf folgenden Jahren belegten auch zahlreiche journalistische Recherchen, dass Machtmissbrauch eher Usus als die Ausnahme ist.

»Blätter«-Ausgabe 5/2026

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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