Bild: Demonstration gegen sexualisierte Gewalt unter dem Motto »Es reicht! Die Scham muss die Seite wechseln« in Hamburg, 26.3.2026 (IMAGO / Future Image)
Ende März zog es spontan viele Menschen zu Demonstrationen in zahlreichen Großstädten des Landes. Der Anlass dafür waren Vorwürfe von Collien Fernandes im »Spiegel« über mutmaßliche Taten ihres Ex-Ehemanns Christian Ulmen, die sich in ihrer Ausführlichkeit und Perfidität schwer ignorieren lassen1, auch wenn Ulmen sie durch seine Anwälte abstreitet. Der Schock darüber riss viele aus dem Alltag und ließ tausende Menschen gegen Gewalt an Frauen auf die Straße gehen. Doch ob diese Mobilisierung nun endlich Konsequenzen hat, ist offen. Die Frage, die wieder einmal bleibt, ist: Was, wenn sich selbst jetzt nichts ändert?
Der erste große Schock mit medialer Aufmerksamkeit ist beinahe zehn Jahre her: die riesige MeToo-Bewegung von 2017 im Zuge des Weinstein-Skandals. Die Schauspielerin Alyssa Milano brach das Schweigen der Branche und berichtete von gewaltvollem Machtmissbrauch, Erniedrigung und Vergewaltigung durch mächtige Männer der Filmbranche. Millionen von Frauen teilten daraufhin ihre Erfahrungen und eröffneten so die Möglichkeit eines flächendeckenden Lagebildes von weltweitem Sexismus und Gewalt.
In den darauf folgenden Jahren belegten auch zahlreiche journalistische Recherchen, dass Machtmissbrauch eher Usus als die Ausnahme ist.