Ausgabe Juni 2026

Die TikTok-Demokratie

Warum Social-Media-Nutzung kein Privatproblem ist

Sechs von zehn 14- bis 29-Jährigen in Deutschland nutzen ihr Smartphone so intensiv, dass ihr Verhalten als suchtähnlich gilt (IMAGO / AAP)

Bild: Sechs von zehn 14- bis 29-Jährigen in Deutschland nutzen ihr Smartphone so intensiv, dass ihr Verhalten als suchtähnlich gilt (IMAGO / AAP)

Die Nutzung von Smartphones nimmt bei vielen Kindern und Jugendlichen problematische Ausmaße an und hat nicht selten gravierende Auswirkungen auf deren psychisches Wohlbefinden und ihr Selbstbild, aber auch auf die Gesellschaft insgesamt. Doch angesichts dessen ein Social-Media-Verbot zu fordern, greift zu kurz. Vielmehr gilt es, die Plattformbetreiber in die Verantwortung zu nehmen.

Sechs von zehn 14- bis 29-Jährigen in Deutschland nutzen ihr Smartphone so intensiv, dass ihr Verhalten als suchtähnlich gilt. Sie können sich kaum noch davon lösen, spüren bereits negative Folgen und reagieren gereizt, sobald das Gerät nicht verfügbar ist. Jungen sind mit 65 Prozent deutlich häufiger von problematischer Nutzung betroffen als Mädchen mit 54 Prozent.1 Die Zahlen sind alarmierend und zeigen, wie alltäglich das Problem geworden ist. Vergleichbare Studien aus Brasilien, Indien, Griechenland, Palästina oder Südafrika kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Dennoch wird Smartphonenutzung in der politischen und öffentlichen Debatte überwiegend als Privatproblem verhandelt und die Verantwortung dafür vor allem den Jugendlichen und ihren Eltern zugeschrieben. Diskutiert wird, wer seine Nutzung im Griff hat und wer nicht, wer Unterstützung braucht und wer zu wenig Disziplin zeigt. So wird der Blick auf individuelle Fähigkeiten und Defizite der Kinder und ihrer Familien gelenkt.

»Blätter«-Ausgabe 6/2026

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In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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