Ausgabe Juni 2026

Zwei Imperialismen und ein halber: Europa in der Großmachtzange

Eine Demo in Polen am Europatag, 9.5.2026 (IMAGO / ZUMA Press Wire)

Bild: Eine Demo in Polen am Europatag, 9.5.2026 (IMAGO / ZUMA Press Wire)

Europas Lage ist prekär: Während Russland keinerlei Friedenswillen zeigt, untergräbt Donald Trump die abschreckende Wirkung der Nato. Gleichzeitig wächst die wirtschaftliche Abhängigkeit Europas vom autokratischen China. Wie also kann Europa in einer Welt bestehen, die zunehmend von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägt ist?

Wer das Gipfeltreffen zwischen dem chinesischen Staatschef Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump in Peking Mitte Mai verfolgte, konnte geneigt sein, darin den Vorschein auf eine neue bipolare Welt zu erkennen: Xi warnte seinen Gast deutlich vor einer Einmischung im Taiwan-Konflikt, Trump antwortete wenig später, indem er Waffenlieferungen an den Inselstaat offen als Druckmittel gegenüber China bezeichnete. 

Sicher ist jedenfalls eines: Europa1 wird von zweieinhalb Weltmächten bedrängt – den USA, China und Russland. Und keine von ihnen, das macht die Dramatik und Herausforderung der neuen Lage für Europa aus, ist mehr ein verlässlicher Partner. Eine Weltmacht ist ein Staat, dessen wirtschaftliche, militärische und kulturelle Fähigkeiten es ihm erlauben, globale Prozesse und Strukturen substanziell zu beeinflussen. Dazu bedarf es einer global relevanten Wirtschaft, Streitkräften mit weltweiter Reichweite und eines gewissen Maßes an kultureller Ausstrahlung. Ulrich Menzel unterscheidet dabei zwischen Hegemonialmächten und Imperien.2 Hegemonen liefern Ordnungsleistungen für die ganze Welt.

»Blätter«-Ausgabe 6/2026

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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