Ausgabe Juni 2026

Kulturaustausch in Zeiten rauer Machtpolitik

Zum 75. Geburtstag des Goethe-Instituts

Das Logo am Goethe-Institut Berlin, 20.12.2021 (IMAGO / Dirk Sattler)

Bild: Das Logo am Goethe-Institut Berlin, 20.12.2021 (IMAGO / Dirk Sattler)

Gegründet einst zur Lehrerfortbildung, hat sich das Goethe-Institut inzwischen längst von der anfänglichen politischen Engführung emanzipiert. Über die Jahrzehnte und allen politischen Umbrüchen zum Trotz wurde es zur zentralen Plattform für transnationalen Kulturaustausch. Nun allerdings droht der Kultur in Zeiten neuer Machtpolitik als global wirksamer »Soft Power« eine nationalistische Wende.

Als vor 75 Jahren, im August 1951, das Goethe-Institut als eingetragener gemeinnütziger Verein gegründet wurde, sah der Vereinszweck zunächst die bloße »Fortbildung ausländischer Deutschlehrer« vor, was kurz darauf zur »Pflege der deutschen Sprache im Ausland« und bald auch »der Kultur« erweitert wurde. 1952 nahm das Goethe-Institut in München, wo es bis heute seinen Hauptsitz hat, seine Arbeit auf und eröffnete den ersten Auslandsstandort in Athen. Bis Ende der 1950er Jahre folgten weitere Dépendancen, in West- und Südeuropa, aber auch schon früh im Nahen Osten, in Nordafrika, Indien und Pakistan. Mit jeder geopolitischen Wende, von der Dekolonisierung über das Ende der Sowjetunion und den islamistischen Terror von 9/11 bis zur jüngsten Rekonfiguration der internationalen Machtbeziehungen, wurden neue Standorte errichtet – und ältere aufgrund von politischem Druck der Gastländer zwangsweise geschlossen oder wegen finanzieller Engpässe in Deutschland abgewickelt. Heute gibt es 154 Institute in 100 Ländern.

»Blätter«-Ausgabe 6/2026

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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