Die reaktionäre Rebellion gegen die Moderne
Bild: Ein AfD-Wahlplakat im sachsen-anhaltinischen Saubach, 26.8.2026 (IMAGO / Karina Hessland)
Angesichts des nationalen wie internationalen Aufstiegs einer Neuen Rechten wird derzeit intensiv über die mögliche Wiederkehr des Faschismus diskutiert. Doch das eigentliche Problem liegt tiefer: Unter den vielen verwirrenden Phänomenen der Gegenwart stellt uns die reaktionäre Rebellion vor die Herausforderung, Ressentiment und Realitätsverweigerung als politische Wirklichkeit anzuerkennen und mit einem rationalen Begriff vom Lauf der Geschichte in Einklang zu bringen.
Als vor 200 Jahren in seiner Berliner Vorlesung über die Philosophie der Geschichte Hegel die kühne These formulierte, »daß wirklich Vernunft in der Geschichte sei«1, konnte er kaum ahnen, dass ein gutes Jahrhundert später eben diese Geschichte einen Verlauf nehmen sollte, der solche Zuversicht gründlich dementierte. Noch unter dem Eindruck des Hitler-Stalin-Paktes, kurz nach der Entlassung aus einer dreimonatigen Internierungshaft im französischen Exil notierte Walter Benjamin in seinen Thesen Über den Begriff der Geschichte: »Das Staunen darüber, daß die Dinge, die wir erleben, im zwanzigsten Jahrhundert ›noch‹ möglich sind, ist kein philosophisches. Es steht nicht am Anfang einer Erkenntnis, es sei denn der, daß die Vorstellung von Geschichte, aus der es stammt, nicht zu halten ist.