Argentinien als Modell für den Technofaschismus
Bild: Argentiniens Präsident Javier Milei, 10.12.2023 (IMAGO / Aton Chile)
Mit seinem radikalen Staatsabbau ist der argentinische Präsident Javier Milei ein Vorbild für die extreme Rechte weltweit. Wirtschaftlich setzt er ganz auf Rohstoffexport und erfüllt damit die Rolle, die die neue imperiale Strategie der US-Regierung für Südamerika vorsieht. Gleichzeitig ist das Land aber auch Vorreiter für technolibertäre Experimente.
Wir Argentinier:innen sagen oft über uns, dass wir »aus der Zukunft kommen«. Dieser Satz ist mehr als nur ein Witz. Er stellt die Hypothese auf, dass Argentinien unter der Regierung von Javier Milei ein Versuchslabor für die weltweit aufstrebende extreme Rechte ist – ein groß angelegtes Experiment, das zeigt, bis wohin die Dynamik der Kräfte der Ungleichheit führen kann. Vor dem geopolitischen Hintergrund eines Zusammenbruchs der internationalen Ordnung und brutaler Imperialismen sowie in einer Welt, in der der Technofaschismus hervorbricht, ist es daher wichtig, einige Dimensionen des »Milei-Experiments« zu beleuchten.
Im Ausland werde ich häufig gefragt, wie sich der Erfolg von Milei erklären lässt. Kurz gefasst so: Als Milei 2023 die politische Bühne Argentiniens betrat, verkörperte er »das Neue«. Denn dort waren die beiden bisher wichtigsten politischen Kräfte gescheitert: der stark geschwächte Progressivismus1 in Gestalt des peronistischen Präsidenten Alberto Fernández (2019–2023) und die Mainstream-Rechte, repräsentiert von dessen Vorgänger Mauricio Macri (2015-2019).