Michel Foucault und der Neoliberalismus
Bild: Ein Kunstwerk der Reihe »Hommage an Michel Foucault« von Vladimír Škoda (IMAGO / CTK Photo)
Ein unkritischer Blick auf den Neoliberalismus wird Michel Foucault, der im Oktober hundert Jahre alt geworden wäre, zuweilen vorgehalten. Tatsächlich aber war der französische Philosoph einer der ersten Kritiker dieses Paradigmas – und erkannte früh die besondere Rolle des Staates für neoliberale Politik.
Am 15. Oktober dieses Jahres wäre der französische Machttheoretiker Michel Foucault hundert Jahre alt geworden. Daher häufen sich derzeit Würdigungen seines Schaffens. Die »taz« etwa publizierte gleich eine ganze Reihe von Texten zu Foucaults Werk. Dabei kam kaum ein Autor umhin, zwei heiße Eisen aus dem Spätwerk zumindest zu erwähnen, nämlich Foucaults »offensichtlicher Irrtum zu Chomeinis Iran«1 und seine »überraschend positive Darstellung des Liberalismus«.2 Während die Essays zur iranischen Revolution eine Reihe von bisher nur ungenügend diskutierten Fragen aufwerfen, die keinesfalls darauf reduziert werden können, dass Foucault »den Einschätzungen religiös inspirierter, konservativer iranischer Nationalisten gefolgt«3 sei, wird über Foucaults Verhältnis zum Neoliberalismus bisweilen regelrecht obsessiv debattiert.
Die entsprechenden Überlegungen entwickelte Foucault in seinen Vorlesungen am Collège de France im Winter und Frühjahr 1979.