Ausgabe Dezember 2016

Die Republik, die aus der Kälte kam

Bild: Ullstein

Es gibt nur wenige Autoren, deren Namen so eng mit einer zeitgeschichtlichen Epoche verbunden sind wie der von John le Carré. Wer den Namen liest, assoziiert ihn mit dessen 1963 erschienenen Roman „Der Spion, der aus der Kälte kam“. Das Buch und der gleichnamige Film handeln vom Kalten Krieg zwischen Ost und West und den in diesem wirkenden Geheimdiensten.

John le Carré selbst war ab 1960 für den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 tätig, als zweiter Sekretär der britischen Botschaft in Bonn. Doch seine Mitarbeit dort währte nur kurz: Angewidert von der Beobachtung, dass der Westen mit seiner Spionagetätigkeit unentwegt eigene Ideale verriet, quittierte er nach drei Jahren den Dienst, um sich der Schriftstellerei zu widmen.

John le Carrés Publikum durfte gespannt sein, ob der berühmte Autor in seinen nun vorgelegten Memoiren mit dem Titel „Der Taubentunnel“ endlich aus dem Nähkästchen plaudern würde. Doch le Carré hält sich bedeckt, die Leserinnen und Leser erfahren nichts über den britischen Geheimdienst, was sie nicht schon aus anderen seiner Werke wussten. Dennoch hält er sie bei Laune und lässt sie teilhaben an dieser und jener Episode aus seinem Leben.

John le Carré, der mit bürgerlichem Namen David Cornwell heißt, hat die Nachkriegszeit mit wachen Sinnen erlebt.

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