Ausgabe Februar 2016

Für ein rebellisches Engagement

Die aktuelle Flüchtlingssituation verdeutlicht exemplarisch, wie sehr der Staat auf ehrenamtliches Engagement angewiesen ist. Doch damit wälzt er existenzsichernde Aufgaben auf die Zivilgesellschaft ab, kritisieren die Sozialwissenschaftlerinnen Silke van Dyk, Emma Dowling und Tine Haubner. Sie diskutieren die Dilemmata von Freiwilligenarbeit im aktivierenden Staat und plädieren für eine Politisierung: Nur eine radikale Kritik der Verhältnisse ebne den Weg zu emanzipatorischer Solidarität.

Flüchtlingshilfe ist in den vergangenen Monaten zu einer Massenbewegung geworden, die jenen trotzt, die auf Pegida-Demos ihren Rassismus in die Welt tragen: Unzählige Freiwillige verteilen Lebensmittel und Kleidung an Bahnhöfen und vor Registrierungsstellen, sie begleiten Ankommende zu Ämtern, stellen Wohnungen zur Verfügung, versorgen Geflüchtete medizinisch oder bieten Sprachunterricht an. Diese Hilfe erfolgt einmalig und spontan, nicht selten aber auch regelmäßig, in den Feierabendstunden und während des eigenen Urlaubs.

Die Bilder vom Münchner Hauptbahnhof oder vom Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) sprechen eine deutliche Sprache: Als praktische Hilfe ist dieses Engagement unter den gegebenen Bedingungen in humanitärer Hinsicht alternativlos, von seiner antirassistischen Symbolkraft ganz zu schweigen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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