Ausgabe Juli 2016

Chinas Glanz und Grenzen

China bleibt ein ökonomisches Kraftwerk, auch wenn sich sein Wachstum jüngst abgeschwächt hat. Seit Jahren strahlt die enorme Entwicklung des Landes in den globalen Süden aus. Nicht wenige Beobachter sehen in der Volksrepublik schon das Beispiel eines alternativen Modells, das auch in anderen Entwicklungsländern funktionieren könnte. Der chinesische Weg bietet in ihren Augen eine Antithese zum neoliberalen Washington Consensus. Manche prognostizieren gar, China werde letztlich die geopolitische Vorherrschaft der Vereinigten Staaten überwinden und in Asien, ja sogar weltweit eine politische Neuordnung herbeiführen.

Das aber ist ein Trugschluss. Denn China verdankt seinen Aufschwung der Konvergenz zweier Linien, deren Ursprung beiderseits des Frontverlaufs im Kalten Krieg liegt: einerseits der maoistischen und andererseits der export-orientierten ostasiatischen Entwicklung. Das ist einzigartig und dürfte sich kaum auf andere Entwicklungsländer übertragen lassen. Überdies entspringt die chinesische Wirtschaftsdynamik dem Exportsektor, in dem Privatunternehmen vorherrschen und der fest in die Kreisläufe des Welthandels integriert ist. Dieser Exportsektor ist es, der die Expansion des relativ unprofitablen staatseigenen Sektors ermöglichte.

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