Ausgabe Mai 2016

Zur Aktualität des Pazifismus

Vor 71 Jahren, am 8. Mai 1945, endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Das Datum steht gleichsam für das Ende des Naziregimes wie auch für den Beginn der friedlichen europäischen Integration, die schließlich in die Europäische Union mündete.

Dass wir seit mehr als sieben Jahrzehnten weitgehend friedlich in Europa zusammenleben, wäre eigentlich ein Grund zum Feiern, gäbe es nicht eine wachsende Zahl gewaltsamer Konflikte und Kriege „vor der europäischen Haustür“, deren Folgen wir uns kaum entziehen können: in der Türkei, der Ukraine, in Syrien sowie in Nordafrika. Hinzu kommen Attentate inmitten europäischer Hauptstädte, die inzwischen sogar schon die Forderung nach kriegerischer Vergeltung nach sich ziehen.

Das alles zeigt: Das Ende kriegerischer Gewalt und der Friede sind noch immer keine Selbstverständlichkeit – auch nicht in Europa. Umso dringlicher braucht es heute eine Friedensbewegung, die den Krieg prinzipiell ablehnt und danach strebt, bewaffnete Konflikte zu verhindern und die Voraussetzungen für dauerhaften Frieden zu schaffen.

Doch seit Jahren gilt die Friedensbewegung gemeinhin als überlebt oder nicht mehr existent. In den Medien heißt es meist, sie sei weit entfernt von einstiger Größe, längst habe sie ihre politische Bedeutung verloren und obendrein sei sie von inneren Streitigkeiten geschwächt.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Verteidigung der Vernunft

von Robert Misik

Die Zerstörung der Vernunft als das auf dem Austausch von Argumenten basierende demokratische Grundverständnis steht im Mittelpunkt des globalen Rechtspopulismus, der sich immer mehr zu einem Rechtsradikalismus verfestigt. Dem ist jedoch nicht durch eine linkspopulistische Gegenbewegung beizukommen.

Blackout: Die imperiale Lebensweise lässt sich nicht »abschalten«

von Ulrich Brand, Markus Wissen

Fünf lange Tage waren zehntausende Haushalte und mehr als 2000 Unternehmen bei eisigen Temperaturen im Berliner Südwesten Anfang Januar ohne Strom und ohne Heizung. Ausgelöst wurde der Stromausfall durch einen Brandanschlag auf eine wichtige, oberirdisch verlaufende Kabelbrücke des Berliner Stromnetzes.

Vom Einsturz zum Aufbruch: Die Protestbewegung in Serbien

von Krsto Lazarević

Für die seit Monaten Protestierenden steht der Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad nicht für ein bauliches, sondern für ein politisches und gesellschaftliches Versagen: ein sichtbares Symbol für Korruption und ein zunehmend autokratisches System.