Ausgabe Mai 2016

Zur Aktualität des Pazifismus

Vor 71 Jahren, am 8. Mai 1945, endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Das Datum steht gleichsam für das Ende des Naziregimes wie auch für den Beginn der friedlichen europäischen Integration, die schließlich in die Europäische Union mündete.

Dass wir seit mehr als sieben Jahrzehnten weitgehend friedlich in Europa zusammenleben, wäre eigentlich ein Grund zum Feiern, gäbe es nicht eine wachsende Zahl gewaltsamer Konflikte und Kriege „vor der europäischen Haustür“, deren Folgen wir uns kaum entziehen können: in der Türkei, der Ukraine, in Syrien sowie in Nordafrika. Hinzu kommen Attentate inmitten europäischer Hauptstädte, die inzwischen sogar schon die Forderung nach kriegerischer Vergeltung nach sich ziehen.

Das alles zeigt: Das Ende kriegerischer Gewalt und der Friede sind noch immer keine Selbstverständlichkeit – auch nicht in Europa. Umso dringlicher braucht es heute eine Friedensbewegung, die den Krieg prinzipiell ablehnt und danach strebt, bewaffnete Konflikte zu verhindern und die Voraussetzungen für dauerhaften Frieden zu schaffen.

Doch seit Jahren gilt die Friedensbewegung gemeinhin als überlebt oder nicht mehr existent. In den Medien heißt es meist, sie sei weit entfernt von einstiger Größe, längst habe sie ihre politische Bedeutung verloren und obendrein sei sie von inneren Streitigkeiten geschwächt.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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