Ausgabe April 2018

Imperialer Rassismus

Vom Ersten Weltkrieg bis zu Donald Trump

An der Westgrenze steht heute ein Auswurf afrikanischer und asiatischer Wilder und alles Räuber- und Lumpengesindel der Erde unter Waffen.“ Das schrieb der deutsche Soziologe Max Weber im September 1917. Weber meinte damit die Millionen indischer, afrikanischer, arabischer, chinesischer und vietnamesischer Soldaten und Arbeiter, die im Ersten Weltkrieg in Europa und auf verschiedenen Nebenkriegsschauplätzen für die britischen und französischen Streitkräfte kämpften. Um dem Mangel an militärischem Personal Abhilfe zu schaffen, hatten die britischen Imperialisten bis zu 1,4 Millionen indische Soldaten rekrutiert. Frankreich hob in seinen Kolonien in Afrika und Indochina fast 500 000 Mann aus. Und zu den US-Streitkräften wurden annähernd 400 000 Afroamerikaner eingezogen. Diese nichtweißen Kombattanten sind die wahren unbekannten Soldaten des Ersten Weltkriegs.

Ho Chi Minh, der sich während des Krieges großenteils in Europa aufhielt, kritisierte die Geschehnisse als Nötigung von Völkern zweiter Klasse. Vor dem Ausbruch des Großen Krieges, schrieb Ho, sah man in ihnen „nichts als dreckige Neger [...], zu nichts anderem nütze als zum Rikscha-Ziehen“. Als aber die Kriegsmaschinerien Europas „Menschenmaterial“ brauchten, da verpflichtete man sie. Andere Antiimperialisten wie Mahatma Gandhi und W.E.B.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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