Ausgabe April 1990

Zwischen Abschied und Neuanfang

Der hier und da bereits angekündigte "Abschied von der BRD" findet nach dem Ergebnis der Wahl vom 18. März denn doch nicht statt, oder wenigstens nicht so, wie vermutet. Der Trend hatte ohnehin etwas unseriöses an sich, taten sich mit vorauseilender Nostalgik in Sachen goldene BRD doch hauptsächlich Leute hervor, die bisher als engagierteste Kritiker der Republik gelten wollten. Auch der von Klaus Staeck angeführte Wanderzirkus "Soviel Anfang war nie" wird wohl nicht über die erste Station hinauskommen. Die linke Transformation der BRD durch brüderliche Hilfe einer ansonsten auf Armes Länge Distanz gehaltenen sozialistischen DDR findet nicht statt. Die Chancen, daß das von einer ziemlich alt aussehenden Volkskammer vom Jahrgang 1986 noch kurz vor Toresschluß verabschiedete Verbot der Aussperrung in die Bundesrepublik diffundiert, stehen schlecht. Es wird sich noch nicht einmal in der DDR halten können.

Falls wir so etwas wirklich haben wollen, werden wir es schon selbst machen müssen - wie alles andere auch. Bis es dahin kommt, muß allerdings nicht nur Oskar Lafontaine bei dem Mann aus Oggersheim noch einige Lektionen darüber nehmen, wie man in unklaren Stimmungslagen dominante Komponenten ausfindig macht und zu politischer Macht bündelt.

April 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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