Ausgabe September 1990

Die Deutschen - Auf dem Weg in die Zivilgesellschaft?

Die Situation der Deutschen nimmt sich im Sommer 1990 auf den ersten Blick hin beruhigend aus. Von einem Kalten Krieg kann in Europa keine Rede mehr sein; die Wiederherstellung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates findet im Grundsatz Zustimmung auch bei den Mächten, die im Krieg mit Hitler-Deutschland Sieger waren und demzufolge nach 1945 im besetzten deutschen Territorium die politische Verantwortung übernehmen mußten; eine Politik der Rüstungsbeschränkung und der Abrüstung scheint gerade im europäischen Rahmen realistisch zu sein, auch so, daß sie die Furcht vor einer erneuten deutschen militärischen Machtpolitik wegnimmt.

Die deutsch-deutsche Währungs- und Wirtschaftsunion wird zwar im Territorium der DDR massive soziale Probleme aufwerfen, aber selbst diese stellen die Tragfähigkeit des ökonomischen Systems in Deutschland nicht in Frage; es ist nicht zu befürchten, daß die westdeutsche Wirtschaft ihren Rang im Weltmarkt verlieren und Gesamtdeutschland materiell ins Elend stürzen könnte. Politisch besteht in Deutschland eine deutliche Mehrheit für einen liberalen Rechtsstaat; die rechtsextreme Partei der "Republikaner" hat an Wählerschaft eingebüßt.

September 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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